Gas geben mit dem Impftruck

Impfungen in den Kommunen

Der Rems-Murr-Kreis startet am 2. März in Absprache mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg mit einem landesweit bisher einzigartigen Modell für Impfungen vor Ort und setzt damit die Ankündigung von Sozialminister Manne Lucha um, vor Ort in den Städten und Gemeinden zu impfen. „Anfang Februar habe ich ein Konzept angekündigt, wonach für interessierte Kommunen die Möglichkeit bestehen wird, dass die Mobilen Impfteams für die mit höchster Priorität impfberechtigen über 80-jährigen Menschen zu Vor-Ort-Terminen in die Kommunen kommen. Es freut mich sehr, dass das Konzept in dieser besonderen Form per Impftruck jetzt im Rems-Murr-Kreis umgesetzt wird. Solche vorbildhaften lokalen Impfaktionen bringen den Impfstoff zu den ganz besonders gefährdeten, sehr oft moblitätseingeschränkten älteren Menschen, deren Schutz mir sehr am Herzen liegt“, so der Sozialminister.

Geimpft wird in einem „Impftruck“, einem imposanten Vierzigtonner des DRK, in dem sich eine voll ausgestattete Arztpraxis mit mehreren Räumen befindet – Platz genug für zwei Impfstraßen. Deutschlandweit gibt es nur vier solcher mobilen Arztpraxen: drei sind im Freistaat Sachsen gebunden, eine hat sich der Rems-Murr-Kreis mit Unterstützung des DRK-Kreisverbands als Impftruck gesichert. In Abstimmung mit dem Sozialministerium kann damit auch vor Ort in den Kommunen geimpft werden. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis wurde ein Konzept entwickelt, um möglichst häufig und schnell viele Städte und Gemeinden an Rems und Murr anfahren zu können. Das soll den Kommunen einen erheblichen logistischen und organisatorischen Aufwand ersparen: einmal mehr setzt man im Rems-Murr-Kreis darauf, dass die kommunale Familie ihre Kräfte bündelt. Eine weitere Unterstützung für die Städte und Gemeinden soll das Terminvereinbarungs-Tool Teveron sein, mit dem die Impftermine einfach und übersichtlich erfasst werden können. Teveron wurde vom Landratsamt und einer Software-Firma bereits letztes Jahr für die Terminvereinbarung im Schnelltestzentrum entwickelt und hat sich seither bewährt.

Landrat Dr. Richard Sigel betont: „Das Projekt zielt ausschließlich auf die Impfung der vulnerablen Gruppen von Menschen über 80 Jahren ab, das war mir persönlich wichtig. Schließlich brauchen wir gerade bei dieser Gruppe mehr Tempo – im Wettlauf zwischen den Impfungen und den hochansteckenden Virusvarianten.“ Sigel fügt hinzu: „Unser Angebot ist deshalb möglich, weil kommende Woche die mobilen Teams die Erstimpfungen in allen Pflege- und Seniorenheimen im Rems-Murr-Kreis abgeschlossen haben. Zugleich konnten mit den letzten Impfstofflieferungen von AstraZeneca nur Menschen unter 65 geimpft werden. Umso wichtiger ist es, mit dem Impftruck bei der Immunisierung der älteren Bevölkerungsgruppen Gas zu geben.“ Nach wie vor ist nicht genug Impfstoff vorhanden, um rasch alle Impfwilligen zu bedienen. Mit dem Impftruck kommen jedoch zusätzliche Impfdosen in den Rems-Murr-Kreis, dafür hat sich Landrat Dr. Sigel eingesetzt und diese Chance sollte man nutzen.
In der nächsten Phase könnten auf diese Weise – je nach aktueller Lage – auch Menschen über 70 Jahren geimpft werden.

Das Sozialministerium unterstützt das Projekt mit Impfstoff und Personal aus dem Zentralen Impfzentrum im Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. Das ist aus Sicht des Landkreises ein wichtiges Signal und ein Ausgleich dafür, dass der Rems-Murr-Kreis trotz seiner hohen Einwohnerzahl und großen Fläche nur ein Impfzentrum bekommen hat. Im Impftruck sind die mobilen Impfteams (MIT) aus dem Zentralen Impfzentrum in Stuttgart im Einsatz, die bislang die Impfungen in Pflegeheimen im Landkreis mit übernommen haben. Dazu sagt Prof. Dr. Kilian Rapp, Leiter des Zentralen Impfzentrums des Robert-Bosch-Krankenhauses: „Bislang lief die Impfung in den Senioren- und Pflegeheimen gut und reibungslos. Mit dem gesammelten Know-how und dem eingespielten Team, bestehend aus einem Arzt, einer medizinischen Fachkraft und tatkräftiger Unterstützung durch den Malteser Hilfsdienst, freuen wir uns, wenn wir jetzt auch den zuhause lebenden älteren Menschen durch wohnortnahe Impfungen entgegenkommen können.“

Gabriele Zull, die Sprecherin der Oberbürgermeister im Rems-Murr-Kreis, begrüßt das Projekt: „Der Truck ist eine deutliche Erleichterung vor allem für die älteren Mitbürger, die am meisten gefährdet sind. Sie können direkt vor Ort geimpft werden! In den Kommunen bauen wir mit Hilfe des Landkreises eine Struktur vor Ort auf, um die Infektionswege zu durchkreuzen und schnell reagieren zu können. Auch die Schnelltests in den Arztpraxen sind hierfür ein Baustein und mittelfristig werden hoffentlich auch Impfungen in den Hausarztpraxen möglich sein. Je einfacher die Verfahren, desto sicherer sind sie und desto mehr werden sie angenommen! Die gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Kommunen ist die Voraussetzung, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen.“

Als Sprecher der Bürgermeister im Rems-Murr-Kreis ergänzt Thomas Bernlöhr: „Die Impfung in der Fläche haben wir Städte und Gemeinden zusammen mit dem Landkreis schon früh ins Spiel gebracht. Es freut uns, wenn nun die mobilen Impfteams aus Stuttgart vor Ort kommen und impfen – zunächst insbesondere die ambulant betreuten Menschen über 80 Jahren. Möglich wird dies ein weiteres Mal, weil Landkreis und die gemeindliche Ebene in effizienter und schlagkräftiger Arbeitsteilung schnell agieren. Der Landkreis stellt die Softwareinfrastruktur zur Verfügung und hat zusammen mit dem DRK den Impftruck an Land gezogen. Wir Städte und Gemeinden organisieren den Ablauf vor Ort sowie die Räumlichkeiten. Die Impfung ist das zentrale Mittel zur Bewältigung der Pandemie. Und nun kommen wir vorwärts.“

Sven Knödler, Kreisgeschäftsführer des DRK sagte: „Seit mehr als einem Jahr kämpft unser DRK-Kreisverband gegen die Folgen der Corona-Pandemie. Impfungen spielen dabei eine wichtige Rolle beim Schutz von Personengruppen, die beispielsweise durch ihren Beruf, durch das Alter sowie durch bestimmte Grunderkrankungen oder Lebenslagen besonders gefährdet sind. Wir freuen uns, dass der DRK-Landesverband Baden-Württemberg nach unserer Anfrage den Menschen im Rems-Murr-Kreis die Mobile Medizinische Versorgungseinheit zur Verfügung stellt. Helferinnen und Helfer des DRK-Rems-Murr werden das Personal des Impftrucks im Rahmen der Nachbetreuung und bei der sanitätsdienstlichen Absicherung unterstützen.“

Hintergrund: Erster Halt in Murrhardt
Die Städte und Gemeinden werden in einer bestimmten Reihenfolge geimpft, die sowohl die Entfernung zum Kreisimpfzentrum als auch die Anzahl der zu impfenden Einwohner berücksichtigt. Als erstes Ziel wird Murrhardt angefahren; dort stehen 240 Impftermine innerhalb von zwei Tagen zur Verfügung. „Wir freuen uns, dass wir die ersten sind, die der Impftruck ansteuert“, sagt Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner. „Schließlich hat Murrhardt im Rems-Murr-Kreis auch den weitesten Weg zum Kreisimpfzentrum. Wir sind froh, dass es dieses Angebot gibt, auch vor dem Hintergrund, dass der Rems-Murr-Kreis nur ein Impfzentrum bekommen hat.“

Pro Tag können mit dem Impftruck 120 Impfungen verabreicht werden. Die nächsten Stationen werden Welzheim, Schorndorf und Backnang sein. Die Ärzte im Impftruck arbeiten mit Impfstoff von BioNTech; für die Zweitimpfung kommt der Truck drei Wochen später zurück.

Start des Projekts ist der 2. März 2021. Vorgabe des Sozialministeriums ist, dass beim Start der Impfungen in den Kommunen die Erstimpfungen in den Pflegeheimen des Landkreises abgeschlossen und Termine für die Zweitimpfungen vereinbart sein müssen. Dies ist am 2. März der Fall. Der Impftruck steht bis mindestens Ende Juni zur Verfügung.

Der Rems-Murr-Kreis ist bereit, mit dem Konzept auch andere Landkreise zu unterstützen, insbesondere ähnlich große oder bevölkerungsreiche. Das Projekt könnte insoweit Modellcharakter haben - vorausgesetzt, es ist ausreichend Impfstoff vorhanden. 
Der Eingang zum Impftruck ist barrierefrei. Der Impfstoff wird nicht im Truck gelagert, sondern jeden Tag vom Impfteam mitgebracht.

Wichtiger Hinweis zur Anmeldung:
Die Bürgerinnen und Bürger werden in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde über ihr Rathaus informiert, wann der Impftruck in den Ort kommt und wie man sich zum Termin anmeldet. Bis dahin werden Bürgerinnen und Bürger um Geduld gebeten.
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